Kurz gesagt: Der Beitrag erklärt, welche Annahmen in einer VALERI-Rechnung verschlechtert werden, wie sich das auf Cashflow und NPV auswirkt und was im DIN-EN-17463-Bericht stehen muss.
- Ausgangslage: fiktiver Austausch eines Pumpsystems in einem Industriebetrieb
- Trend-Case: 150.000 kWh/a Einsparung bei 0,30 €/kWh
- Ergebnis im Trend-Case: 45.000 € Brutto-Nutzen pro Jahr, 43.500 € netto nach Wartung
- Worst-Case-Hebel: höhere Investition, höhere Betriebs- und Wartungskosten, weniger Einsparung, höherer WACC, schwächere Preisannahmen, stärkere Degradation
- Kernaussage: Ein negativer Worst-Case-NPV heißt nicht sofort „Stop“, zeigt aber das Abwärtsrisiko klar
- Für den Bericht: Annahmen, Rechenweg, Szenarien und Empfehlung müssen sauber getrennt und belegt werden
| Punkt | Trend-Case | Worst Case |
|---|---|---|
| Investition | Planwert | höher |
| Einsparung | erwartet | niedriger |
| Laufende Kosten | normal | höher |
| WACC | 5,0 % | höher |
| Kapitalwert | positiv | deutlich niedriger oder negativ |
Damit wird der Zweck des Worst Case klar: Er ist kein Extra, sondern ein fester Teil der Entscheidung und der Berichtslogik nach DIN EN 17463.
Fallaufbau: das Basisprojekt und der wahrscheinlichste Fall
Als Basis dient ein fiktives Industrieprojekt in Deutschland: Ein Produktionsbetrieb tauscht ein ineffizientes Pumpsystem gegen eine energieeffiziente Anlage aus. Das Referenzsystem ist der bisherige, energieintensive Anlagenzustand. Genau dieser Zustand bildet den Ausgangspunkt für den Trend-Case und damit auch den Maßstab für den späteren Vergleich mit dem Worst Case.
Der Trend-Case zeigt den wahrscheinlichsten Verlauf und dient als Referenz für die weitere Szenarioanalyse.
Technische und finanzielle Eingangsdaten
Die folgende Tabelle fasst die Kernannahmen des Trend-Case zusammen:
| Parameter | Einheit | Wert (Trend-Case) |
|---|---|---|
| Projektstart | Datum | 01.01.2030 |
| Nutzungsdauer | Jahre | 10 |
| Investitionskosten (Capex) | € | 150.000 |
| Jährliche Energieeinsparung | kWh/a | 150.000 |
| Energiepreis | €/kWh | 0,30 |
| Wartungskosten | €/a | 1.500 |
| Kalkulationszinssatz (WACC) | % | 5,0 |
Die Rechnung ist recht klar: Aus 150.000 kWh/a Einsparung und einem Energiepreis von 0,30 €/kWh ergeben sich 45.000 € pro Jahr. Nach Abzug der Wartungskosten von 1.500 € pro Jahr bleibt ein Netto-Cashflow von 43.500 € pro Jahr.
Trend-Case: Cashflow und Kapitalwert
Über eine Nutzungsdauer von 10 Jahren ergibt sich vor Abzinsung ein kumulierter Netto-Cashflow von 435.000 €. Nach Abzug der Anfangsinvestition und Abzinsung mit 5,0 % liegt der Kapitalwert bei rund 185.900 €.
Auf dieser Basis werden im nächsten Schritt die Annahmen verschlechtert und der Worst Case berechnet.
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Worst-Case-Annahmen: Welche Parameter sich ändern und warum
Im Worst Case verschlechtern sich mehrere Annahmen gleichzeitig. Ausgangspunkt ist der Trend-Case. Von dort aus werden die Werte für das Pumpsystem gezielt nach unten angepasst. Betroffen sind vor allem Kosten, Einsparungen und Preisannahmen. Anders als bei der Sensitivitätsanalyse wird in der Szenarioanalyse nicht nur ein einzelner Wert verändert, sondern mehrere auf einmal.
Dabei zählt vor allem eines: Die Annahmen müssen intern stimmig sein. Wenn einzelne Werte nicht zusammenpassen, wird die Herleitung schnell schwer nachvollziehbar.
Erhöhte Investitions-, Betriebs- und Wartungskosten
Im Worst Case steigen die Investitionskosten sowie die Betriebs- und Wartungskosten. Damit lassen sich zum Beispiel höhere Beschaffungs-, Installations- oder Servicekosten abbilden. Auch eine spätere Inbetriebnahme spielt hier hinein: Die Einsparungen kommen später, die Auszahlungen fallen aber sofort an.
Das drückt den Nutzen des Projekts direkt. Oder einfacher gesagt: mehr Geld fließt früher ab, während der Rückfluss später und kleiner ausfällt.
Geringere Einsparungen und schwächere Energiepreisannahmen
Auch auf der Ertragsseite wird vorsichtiger gerechnet. Die erwarteten Energieeinsparungen werden reduziert. Gründe dafür können kürzere Betriebsstunden oder ein schnellerer technischer Leistungsabfall sein. Zusätzlich kann eine schwächere Entwicklung der Energiepreise angesetzt werden.
Die Folge liegt auf der Hand: Wenn weniger eingespart wird und der Preisvorteil kleiner ausfällt, sinkt der Kapitalwert im Worst Case deutlich.
Die wichtigsten Änderungen im Worst Case zeigt die folgende Übersicht:
| Parameter | Worst-Case-Anpassung | Folge |
|---|---|---|
| Investitionskosten | Erhöhung | Höhere Anfangsauszahlung |
| Betriebs- und Wartungskosten | Erhöhung | Höhere laufende Auszahlungen |
| WACC | Erhöhung | Stärkere Abzinsung zukünftiger Cashflows |
| Energieeinsparung | Verringerung | Geringere jährliche Cashflows |
| Energiepreisannahmen | Geringere Preisentwicklung | Niedrigerer finanzieller Nutzen der Einsparung |
| Technische Degradation | Erhöhung | Schnellere Verringerung der Vorteile |
Diese Annahmen bilden die Basis für den Vergleich von Cashflow und Kapitalwert im nächsten Abschnitt.
Ergebnisvergleich: Cashflow und Kapitalwert im Worst Case
Trend-Case vs. Worst Case: VALERI-Szenariovergleich nach DIN EN 17463
Aus den schärferen Annahmen folgen direkte finanzielle Effekte.
Wie sich die jährlichen Cashflows im Worst Case verändern
Im Musterprojekt mit dem neuen Pumpsystem zeigt sich der größte Effekt in Jahr 0: Höhere Investitionskosten führen zu einer größeren Anfangsauszahlung. In den Jahren danach fallen die Netto-Cashflows unter den Trend-Case, weil die Einsparungen geringer ausfallen und die Betriebskosten steigen. Dazu kommt ein höherer WACC. Das drückt den heutigen Wert der künftigen Rückflüsse zusätzlich. Der Kapitalwert sinkt damit klar.
Szenariovergleich
Die folgende Übersicht zeigt den Effekt im Vergleich zum Trend-Case:
| Szenario | Investitionskosten | Energieeinsparung | WACC | Kapitalwert (NPV) |
|---|---|---|---|---|
| Best Case | Unter dem Planbudget | Höher als erwartet | Niedriger als marktüblich | Deutlich positiv |
| Trend (wahrscheinlichster Fall) | Planbudget | Erwartete Einsparung | Marktüblich | Positiv (Zielwert) |
| Worst Case | Über dem Planbudget | Reduzierte Einsparung | Erhöhter Kalkulationszinssatz | Deutlich niedriger oder negativ |
„Die Norm verlangt die Berechnung von Best Case und Worst Case."
Ein negativer Kapitalwert im Worst Case heißt nicht automatisch, dass das Projekt verworfen werden muss. Er macht aber sofort sichtbar, ab welchen Bedingungen sich die Investition nicht mehr rechnet. Genau darin liegt der Zweck der Szenarioanalyse.
Szenarien berechnen mit Valeri Online
Valeri Online berechnet Cashflows und den Kapitalwert für alle drei Szenarien, erstellt Diagramme und gibt die Resultate in einem strukturierten PDF-Bericht aus. Wichtig ist vor allem, dass der Abschlussbericht diese Abweichungen klar und nachvollziehbar ausweist.
Worst Case im DIN EN 17463-konformen Bericht dokumentieren
Nach dem Szenariovergleich folgt die Dokumentation im Bericht. Dort müssen die Abweichungen sauber begründet werden. Der Bericht trennt Trend, Best Case und Worst Case klar. Jedes Szenario hat eigene Annahmen, eigene Cashflows und einen eigenen Kapitalwert.
Was der Bericht dokumentieren muss
Für den Worst Case müssen alle geänderten Annahmen offen benannt und begründet werden. Nicht monetarisierbare Effekte wie Produktionssicherheit oder CO₂-Reduktion sind zusätzlich qualitativ zu beschreiben. Die Berechnungsgrundlagen müssen außerdem offen nachvollziehbar sein – als Excel-Datei mit sichtbaren Formeln.
Im Beispiel zum Pumpsystem zeigen genau diese Angaben, warum der Kapitalwert im Worst Case sinkt. So bleibt die Herleitung prüffähig und nachvollziehbar.
Zum Bericht gehört außerdem ein Handlungsvorschlag:
„Der Handlungsvorschlag muss die Ergebnisse in eine klare Empfehlung übersetzen: durchführen, ablehnen oder weiter prüfen."
Ist der Kapitalwert im Worst Case positiv, bleibt die Investition auch unter ungünstigen Bedingungen wirtschaftlich vorteilhaft. Das spricht für ein belastbares Projekt. Ist er negativ, besteht ein deutliches Abwärtsrisiko. Dann kann das Projekt unter realistisch schlechten Bedingungen unwirtschaftlich werden.
Fazit aus dem Beispiel
Das Musterprojekt mit dem neuen Pumpsystem zeigt, wie ein konsistentes Worst-Case-Szenario den Kapitalwert spürbar verändert. Drei angepasste Parameter – Investitionskosten, Betriebskosten und Energieeinsparungen – reichen aus, um den wirtschaftlichen Spielraum klar sichtbar zu machen.
Im Beispiel wird damit deutlich, wie der Worst Case den Kapitalwert belastet und wie sich das im Bericht belegen lässt. Valeri Online unterstützt dabei, einen druckfertigen Bericht mit Szenariovergleich, Diagrammen und KI-gestützten Textbausteinen zu erstellen.
FAQs
Wie wählt man realistische Worst-Case-Annahmen?
Für realistische Worst-Case-Annahmen nach DIN EN 17463 gilt ein einfacher Grundsatz: Unsicherheiten der Investition werden gezielt geprüft, und wichtige Parameter werden eher vorsichtig angesetzt.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Investitionsauszahlungen
- jährliche Energieeinsparungen
- Preisentwicklungen
- Nutzungsdauer
- Kalkulationszinssatz
Der wahrscheinlichste Fall stützt sich auf realistische Erwartungen. Das Worst-Case-Szenario zeigt dagegen eine pessimistische, aber noch mögliche wirtschaftliche Entwicklung ab.
Ab wann kippt der Kapitalwert ins Negative?
Der Kapitalwert ist negativ, wenn die Summe aller diskontierten Cashflows über die gesamte Laufzeit unter null liegt. Das zeigt klar: Die Investition erreicht beim gewählten Kalkulationszinssatz nicht die gewünschte Verzinsung.
Mit Valeri Online lässt sich diese Schwelle in der Szenarioanalyse gezielt prüfen – für Worst-Case, Best-Case und Trend-Case. So wird auf einen Blick sichtbar, ab wann sich ein Vorhaben finanziell nicht mehr rechnet.
Wie wird der Worst Case im Bericht belegt?
Der Worst Case wird im Abschlussbericht mit einer klaren Szenarioanalyse belegt. Dabei wird der Kapitalwert nicht nur für den wahrscheinlichsten Fall berechnet, sondern auch für ein Worst-Case-Szenario.
So zeigt der Bericht offen, wie geänderte Parameter – etwa Investitionsauszahlungen, Laufzeiten, Energiepreise oder Zinssätze – den Cashflow und den Erfolg der Investition beeinflussen.