Für einen sauberen Bericht sollten alle Eingaben klar getrennt und festgehalten werden: Rohdaten, berechnete Werte und geschätzte Annahmen. Dazu kommen feste Pflichtfelder wie Wert, Einheit, Quelle, Prüfdatum, Status und Verantwortliche Person. Bei Szenarien nach DIN EN 17463 müssen außerdem Most Likely, Best Case und Worst Case je Parameter getrennt dokumentiert werden.
Kurz gesagt: Wer Annahmen sauber dokumentiert, senkt Rückfragen und macht den Bericht für Dritte prüfbar.
- Rohdaten: z. B. Zählerwerte, Rechnungen, Angebote
- Berechnete Werte: z. B. Einsparungen, Umrechnungen, Cashflows
- Annahmen: z. B. 3 % Preissteigerung, 15 Jahre Nutzungsdauer, 5,0 % WACC
- Pflicht je Eintrag: Name, Wert, Einheit, Quelle, Datum, Datenart, Status, Begründung
- Pflicht je Szenario: gleiche Parameter, getrennte Werte, getrennte Begründung
- Pflicht am Ende: sichtbare Formeln, Änderungsprotokoll, Versionsstand, Abschlussprüfung
Eine knappe Prüflogik hilft dabei:
| Prüfpunkt | Was festgehalten werden sollte |
|---|---|
| Herkunft | Woher kommt der Wert? |
| Prüfung | Wann wurde er zuletzt geprüft? |
| Einordnung | Ist er gemessen, berechnet oder geschätzt? |
| Wirkung | Wo geht er in die Rechnung ein? |
| Änderung | Warum wurde er später angepasst? |
Im Kern geht es nicht um mehr Text, sondern um saubere Zuordnung. Jede Zahl sollte bis zur Quelle und bis zum Rechenschritt zurückverfolgt werden können.
VALERI-Bericht: Annahmen sauber dokumentieren – 5 Schritte im Überblick
Ein einfaches Annahmenprotokoll mit Quelle, Datum, Typ und Verantwortlichem aufbauen
Ab diesem Punkt sollte jede Eingabe sauber und eindeutig im Protokoll stehen. Ziel ist ein einheitliches Format, das sofort zeigt, welche Werte gemessen, berechnet oder geschätzt wurden.
Pflichtfelder für jede dokumentierte Eingabe
Damit eine Annahme später geprüft werden kann, sollte jeder Eintrag diese Felder enthalten:
- Parametername: klare Bezeichnung, zum Beispiel „Energiepreissteigerung“
- Wert: im deutschen Zahlenformat, zum Beispiel 0,05 für 5 % oder 20.000,00 €
- Einheit: durchgängig in kWh, a, %, € oder der passenden Fachgröße
- Quelle: Ursprungsdokument oder Datensatz, zum Beispiel „AfA-Tabellen des Bundesministeriums der Finanzen“
- Prüfdatum: Datum der letzten Verifizierung, zum Beispiel 15.08.2026
- Verantwortliche Person/Funktion: zum Beispiel „Energiemanager“ oder „Controlling“
- Datenart: Kennzeichnung als gemessen, berechnet oder geschätzt
- Status: Bearbeitungsstand, zum Beispiel offen, geprüft oder freigegeben
- Begründung: kurze Erläuterung, warum dieser Wert angesetzt wurde
Rohdaten, abgeleitete Werte und Annahmen sauber trennen
Für den Bericht reicht der reine Zahlenwert nicht aus. Entscheidend ist auch, woher der Wert kommt.
Rohdaten sollten immer zusammen mit dem Quelldokument festgehalten werden. Abgeleitete Werte brauchen eine Formelreferenz. Annahmen benötigen eine kurze Begründung und eine Quelle. Fehlt diese Zuordnung, lässt sich der Wert für Dritte später nicht sauber nachvollziehen.
Vergleich: Annahmetypen und Dokumentationsanforderungen
| Datenart | Pflichtangaben | Nutzen |
|---|---|---|
| Rohdaten (gemessen) | Quelldokument, Zähler-ID oder Rechnungsnummer, Erfassungsdatum | Faktische Ausgangsbasis |
| Abgeleitete Werte (berechnet) | Formelreferenz, Zwischenschritte, Umrechnungsfaktoren | Rechnerische Verbindung zwischen Eingaben und Ergebnis |
| Annahmen (geschätzt) | Entscheidungslogik, Quellenangabe der Prognose, Risikoklassifizierung | Begründet unsichere Parameter wie Preistrends oder Leistungsabfall |
So bleibt jede Eingabe später eindeutig prüfbar. Damit steht die Grundlage für die Dokumentation von Bewertungsparametern und Szenarien.
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Bewertungsparameter und Szenariounterschiede einheitlich dokumentieren
Sobald das Annahmenprotokoll steht, folgt der nächste Schritt: die Parameter sauber festhalten, die das Ergebnis am stärksten bewegen. Dazu zählen vor allem der Kalkulationszinssatz, Preisänderungsraten und die geplante Nutzungsdauer. Für diese Werte braucht es eine klare und prüfbare Herleitung. Danach sollten sie je Szenario getrennt und durchgängig geführt werden.
Kerneingaben, die immer eine Dokumentationsbasis brauchen
Diese drei Parameter sollten im Bericht samt Herleitung stehen, weil sie den größten Einfluss auf den Kapitalwert haben.
Beim Kalkulationszinssatz sollte die Ableitung über den WACC dokumentiert werden, einschließlich Eigen- und Fremdkapitalquote sowie der jeweiligen Zinssätze. Die geplante Nutzungsdauer sollte auf einer belastbaren Quelle beruhen, etwa auf den AfA-Tabellen des Bundesministeriums der Finanzen. Bei den Preisänderungsraten muss klar erkennbar sein, ob sie auf allgemeiner Inflation oder auf energieträgerspezifischen Preisentwicklungen basieren.
Auch Capex, Opex, Energieeinsparungen und Degradation brauchen eine saubere Grundlage. Bei Capex und Opex sollten Quelle, Stand und Begründung genannt werden, zum Beispiel auf Basis eines Angebots. Für die Degradation ist das technische Datenblatt des Herstellers als Quelle anzugeben, etwa bei einem Wert von 1 %/a.
Nicht-monetäre Effekte wie CO₂-Einsparungen oder Lärmminderung sollten separat ausgewiesen werden. Sie sind für die Entscheidung oft wichtig, fließen aber nicht in die Kapitalwertformel ein. Deshalb gehören sie nicht in die Formel selbst, sondern in die Szenariobeschreibung.
Best-Case, Worst-Case und Most-Likely-Annahmen festhalten
Die DIN EN 17463 verlangt eine Szenarioanalyse mit drei Fällen. Jeder Parameter sollte daher in jeder Szenariospalte separat dokumentiert werden – jeweils mit eigener Begründung. Die folgende Übersicht zeigt, wie die Werte je Szenario festgehalten werden können.
| Parameter | Most-Likely | Best-Case | Worst-Case |
|---|---|---|---|
| Preisänderungsrate | Basiswert | Plausibel hoch | Plausibel niedrig |
| Capex | Angebotswert mit Puffer | Untere Schätzung | Obere Schätzung mit Risikopuffer |
| Degradation | Erwarteter Leistungsabfall | Geringer Leistungsverlust | Hoher Leistungsverlust |
| Nutzungsdauer | AfA-basierter Wert | Begründet länger | Begründet kürzer |
So bleibt die Szenariologik für Prüfer jederzeit nachvollziehbar.
Die Berechnungskette vom Eingabewert bis zum Ergebnis nachvollziehbar machen
Sobald die Szenarien dokumentiert sind, sollte im nächsten Schritt der Rechenweg je Szenario offenliegen. Unterschiede zwischen Szenarien lassen sich nur dann sauber prüfen, wenn klar ist, wie jede Annahme in die Rechnung einfließt. Wichtig ist vor allem, dass jeder Zwischenschritt im Kapitalwert nachvollziehbar bleibt. Deshalb braucht jedes Szenario eine eigene, getrennte Dokumentation des Rechenwegs.
Formeln, Zwischenschritte und Cashflow-Logik festhalten
Die Kapitalwertformel lautet:
Kapitalwert = Σ (Einzahlungen − Auszahlungen) / (1 + Zinssatz)^t − Investition
Der Bericht sollte sichtbar machen, wie Einsparungen, Energiepreis, Degradation und Diskontierung in die jährlichen Cashflows eingehen. Es reicht also nicht, nur das Endergebnis zu zeigen. Erst die einzelnen Rechenschritte machen klar, warum ein Szenario auf einen bestimmten Kapitalwert kommt.
Auch der Anhang ist Teil der Rechenlogik. Ein offenes Rechenblatt im Anhang macht Formeln und Zwischenschritte prüfbar.
Kurze Freitexte schreiben – Fakten und Einschätzungen trennen
Neben Tabellen und Formeln ergänzt Freitext die Dokumentation, ersetzt sie aber nicht. Kurze Freitextfelder sollten Fakt, Annahme und Unsicherheit klar voneinander trennen. Der Text begründet den Wert, die Rechnung zeigt seine Wirkung.
Vage Aussagen wie „marktüblicher Preis" oder „realistischer Wert" sollten nicht stehen bleiben. Fehlt eine Messung, beschreibt der Freitext die Herleitung in einem kurzen Satz.
Wo Valeri Online strukturiertes Reporting unterstützt

Wenn viele Eingaben und Zwischenschritte zusammenlaufen, hilft eine klar aufgebaute Oberfläche bei der einheitlichen Dokumentation. Valeri Online unterstützt strukturierte Eingaben, automatische WACC-Berechnung sowie Szenario- und Sensitivitätsanalysen.
Versionskontrolle, Änderungshistorie und abschließende Prüfung
Sind Rechenweg und Szenarien sauber festgehalten, folgt der letzte Schritt: Versionierung und Freigabe.
Annahmen ändern sich. Neue Angebote gehen ein, Preisprognosen werden angepasst oder der WACC wird neu angesetzt. Genau deshalb gehören Versionsnummer und Revisionsdatum auf das Deckblatt.
Ein einfaches Änderungsprotokoll im Bericht führen
Ein schlankes Änderungsprotokoll kann direkt auf dem Deckblatt oder im Anhang stehen. Dafür braucht es kein starres System. Fünf Spalten reichen aus:
| Revisionsdatum | Geändertes Feld | Alter Wert | Neuer Wert | Grund der Änderung |
|---|---|---|---|---|
| YYYY-MM-DD | Strompreis-Trend | +3 % p. a. | +5 % p. a. | Aktualisierte Quellenprognose |
| YYYY-MM-DD | Investitionskosten | 20.000 € | 22.500 € | Endangebot des Lieferanten |
| YYYY-MM-DD | WACC | 5,0 % | 5,5 % | Anpassung der Eigen-/Fremdkapitalquote |
Besonders wichtig ist die Spalte Grund der Änderung. Ein externer Prüfer – etwa von der BAFA – muss ohne Rückfrage erkennen können, warum ein Wert geändert wurde. Rohdaten, Berechnungsunterlagen und Berichtsdokumente sind 10 Jahre aufzubewahren.
Das Änderungsprotokoll zeigt damit klar, warum die aktuelle Fassung gilt.
Abschlusskontrolle vor der Freigabe
Vor der Freigabe zählt vor allem eines: Lässt sich alles prüfen?
Geprüft werden sollte, ob alle Pflichtangaben vollständig enthalten sind. Außerdem müssen die Szenarien Most Likely, Best Case und Worst Case klar gekennzeichnet sein. Die Rechenlogik sollte zudem in einer offenen Excel-Datei mit sichtbaren Formeln nachvollziehbar sein.
Vor der Freigabe ist auch der 50-%-Schwellenwert nach § 8 EnEfG zu prüfen. Das Ergebnis sollte im Bericht festgehalten werden.
FAQs
Wie detailliert muss ein Annahmenprotokoll sein?
So detailliert, dass Dritte den VALERI-Bericht jederzeit nachvollziehen, reproduzieren und objektiv prüfen können. Dafür müssen Grundlagen, Berechnungen und Quellen klar und offen dokumentiert sein.
Auch qualitative Nutzen und Lasten gehören dazu. Annahmen, etwa zu Preissteigerungen oder zum Kalkulationszinssatz, brauchen eine klare Begründung, damit die Ergebnisse belastbar sind.
Welche Annahmen sind im VALERI-Bericht besonders kritisch?
Besonders kritisch sind Annahmen, die den Kapitalwert (NPV) stark beeinflussen. Dazu gehören vor allem:
- der Kalkulationszinssatz
- der Betrachtungszeitraum bzw. die Nutzungsdauer
- erwartete Preisänderungen bei Energieträgern sowie die allgemeine Inflation
Gerade bei unsicheren Energiepreisprognosen können Ergebnisse leicht verzerrt werden. Schon kleine Änderungen bei den Eingaben können das Bild deutlich verschieben. Deshalb sollte jede Annahme sauber begründet und so dokumentiert werden, dass sie für Dritte klar nachzuvollziehen ist.
Wie dokumentiere ich Änderungen an Annahmen korrekt?
Jede Änderung sollte klar dokumentiert werden. Dazu gehören zwei Dinge: die Quelle der neuen Annahme und der Grund für die Anpassung im Vergleich zu früheren Versionen.
Außerdem sollte die Rechenlogik offenliegen. Externe Prüfer oder Auditoren müssen den Ablauf und die Folgen für den Kapitalwert ohne extra Aufwand prüfen können. Am besten klappt das mit einer Kombination aus einem erläuternden Dokument und einer offenen Excel-Tabelle.