Kurz gesagt: Der Bericht muss zeigen, was bewertet wird, mit welchen Annahmen gerechnet wird und wie sich das Ergebnis verändert, wenn sich Kosten, Energiepreise oder Einsparungen ändern. Dazu kommen Anlagen wie Energierechnungen der letzten 12 Monate, Lastprofile, Datenblätter und Cashflow-Tabellen.
Worauf es ankommt:
- Projektdaten festhalten: Projektname, Standort, Datum im Format 25.07.2026, Maßnahme, Systemgrenze
- Baseline belegen: Verbrauch in kWh oder MWh, Referenzzeitraum, Kosten, Volllaststunden
- Annahmen sauber setzen: Investition in €, Nutzungsdauer, WACC, Energiepreis- und Inflationsrate, Leistungsabfall
- Cashflows offen rechnen: jährliche Nutzen und Lasten, Restwert, Wartung, Abzinsung
- Kennzahlen ausweisen: Kapitalwert (NPV) und dynamische Amortisation
- Risiko prüfen: Base Case, Best Case, Worst Case und Sensitivitätsanalyse
- Anlagen beifügen: Belege, Fotos, Tabellen und Quellen
Der Kernpunkt ist einfach: Ein VALERI-Bericht ist nicht nur eine Rechnung, sondern ein prüfbarer Nachweis. Je klarer Eingaben, Formeln und Quellen dargestellt sind, desto eher hält der Bericht einer Prüfung im Energieaudit, nach ISO 50001 oder bei Förder- und Entlastungsanträgen stand.
VALERI-Bericht nach DIN EN 17463: 4 Schritte zur prüffähigen Wirtschaftlichkeitsbewertung
1. Projektdaten, Baseline und Annahmen festlegen
Nur vollständig belegte Eingangsdaten machen den VALERI-Bericht prüffähig. In diesem Schritt wird die Rechenbasis für Cashflows und Wirtschaftlichkeitskennzahlen festgelegt. Darauf bauen später Kapitalwert und Amortisation auf.
Projektbeschreibung und Basisdaten
Zu Beginn stehen die allgemeinen Projektdaten: Projektname, Standort, Ansprechpartner, Versionsnummer und Datum im Format TT.MM.JJJJ. Außerdem muss klar beschrieben sein, welche technische Maßnahme bewertet wird, welche Einheiten in die Bewertung eingehen und welche ausgeschlossen sind.
Zur Baseline zählen das Referenzjahr oder der Referenzzeitraum, der aktuelle Energieverbrauch in kWh oder MWh, die Volllaststunden pro Jahr sowie die aktuellen Basiskosten. Als belastbare Quellen gelten Energierechnungen der letzten 12 Monate, Lastprofile und Produktionsdaten.
Auch der Betrachtungszeitraum muss festgelegt und begründet werden, mit Verweis auf die AfA-Tabellen.
Wirtschaftliche und technische Annahmen
Alle Annahmen müssen datiert sein und im gesamten Bericht einheitlich verwendet werden. Mindestens die folgenden Parameter sind zu dokumentieren:
| Parameter | Beschreibung |
|---|---|
| Investitionskosten | Anschaffungs- und Installationskosten der Maßnahme |
| Betriebs- und Wartungskosten | Jährliche laufende Kosten |
| Nutzungsdauer | in Jahren nach AfA-Tabellen |
| Abzinsungssatz (WACC) | Eigenkapital-/Fremdkapitalanteil und Zinssätze |
| Preissteigerungsraten getrennt für Energie und allgemeine Inflation | Separate Ansätze, da beide unterschiedlichen Entwicklungen folgen können |
| Leistungsabfall | Erwarteter Rückgang über die Laufzeit |
Diese Parameter bilden die Grundlage für die spätere Wirtschaftlichkeitsrechnung. Fehlt hier etwas oder passen die Annahmen nicht zusammen, gerät die ganze Rechnung ins Wanken.
Monetäre und nicht-monetäre Effekte
Monetär bewertbare Effekte fließen direkt in die Cashflow-Berechnung ein. Nicht-monetäre Effekte wie CO2-Reduktion, Prozessstabilität oder geringere Lärmbelastung werden getrennt und qualitativ dokumentiert.
Gerade dieser Punkt wird oft unterschätzt. Nicht jeder Projektnutzen landet sofort in Euro, gehört aber trotzdem in einen prüffähigen VALERI-Bericht.
2. Cashflows und wirtschaftliche Kennzahlen berechnen
Sobald die Annahmen aus Schritt 1 feststehen, startet die Cashflow-Rechnung. Aus diesen Eingaben entsteht die prüffähige Jahresrechnung.
Jährliche Cashflow-Struktur über die Projektlaufzeit
DIN EN 17463 trennt klar zwischen „Nutzen" und „Lasten". Zu den Nutzen zählen Einsparungen und der Restwert. Zu den Lasten zählen Investition, Betrieb, Wartung und sonstige projektbezogene Abflüsse.
Die Jahreswerte sollten in einer Tabelle mit sichtbaren Formeln dokumentiert werden, damit jeder Rechenschritt nachvollziehbar und prüfbar bleibt. Auch die angesetzte Degradation muss dort in die Jahreswerte einfließen.
Aus dieser Cashflow-Reihe werden dann Kapitalwert und Amortisation abgeleitet.
Kapitalwert und Amortisationsdauer
Der Kapitalwert (Net Present Value, NPV) ist die zentrale Kennzahl im VALERI-Verfahren. Gemeint ist der Barwert aller abgezinsten Cashflows über die gesamte Laufzeit. Ist der Kapitalwert positiv, deckt die Maßnahme die Kapitalkosten.
Die dynamische Amortisationsdauer zeigt, nach wie vielen Jahren die abgezinsten Rückflüsse die Anfangsinvestition decken. Genau hier liegt der Unterschied zur statischen Amortisation: Sie berücksichtigt weder den Zeitwert des Geldes noch Preissteigerungen.
Der passende Schwellenwert hängt von der jeweiligen Verordnung ab und sollte im Bericht klar genannt werden.
Wie Abzinsung, Preisentwicklung und Risiko das Ergebnis beeinflussen
Die Höhe der Kennzahlen hängt direkt von Abzinsung, Preisentwicklung und Degradation ab. Der Abzinsungssatz bildet die Kapitalkosten ab und wird oft über den WACC (Weighted Average Cost of Capital) bestimmt. Steigt der Zinssatz, sinkt der Barwert künftiger Einsparungen. Das ist im Grunde ganz einfach: Geld, das erst später zurückkommt, zählt heute weniger.
Zusätzlich sind zwei getrennte Preissteigerungsraten zu dokumentieren:
- eine für Energiepreise
- eine für die allgemeine Inflation
Auditoren nach ISO 50001, EMAS oder EDL-G prüfen den Rechenkern und die zugrunde liegenden Annahmen besonders genau.
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3. Szenarien und Sensitivitätsanalyse
Szenarien und Sensitivitätsanalyse zeigen, wie stark sich Abweichungen bei den Annahmen auf den Kapitalwert auswirken. Damit lässt sich prüfen, wie belastbar die in Abschnitt 2 berechneten Kennzahlen unter geänderten Bedingungen bleiben.
Base Case, Best Case und Worst Case
Ein normkonformer VALERI-Bericht enthält mindestens drei getrennte Szenarien: Base Case, Best Case und Worst Case. Im Best Case und im Worst Case werden die wichtigsten Einflussgrößen gemeinsam verändert. Dazu zählen vor allem Investitionskosten, Energiepreisentwicklung und erzielte Einsparungen. So wird sichtbar, in welchem Bereich sich das Ergebnis bewegen kann.
Die folgende Tabelle zeigt die typischen Unterschiede bei Annahmen und Ergebnissen:
| Parameter | Base Case | Best Case | Worst Case |
|---|---|---|---|
| Investitionskosten | Geplantes Budget | Unterer Kostenschätzwert | Oberer Kostenschätzwert |
| Energiepreisentwicklung | Aktuelle Marktprognose | Hohe Energiepreisentwicklung | Stagnation oder geringe Steigerung |
| Erzielte Einsparungen | Erwartetes technisches Potenzial | Maximalpotenzial | Mindestpotenzial |
| Kapitalwert (Ergebnis) | Standard-Wirtschaftlichkeit | Potenzial nach oben | Risikoprüfung |
Bleibt der Kapitalwert selbst im Worst Case positiv, gilt die Maßnahme als robust. Genau das ist ein wichtiger Prüfpunkt. Die EnSimiMaV verlangt einen positiven Kapitalwert innerhalb von maximal 20 % der Nutzungsdauer, höchstens 15 Jahre.
Die Ergebnisse werden danach in die Berichtstabelle, die Grafiken und die Anlagen übernommen.
Sensitivitätsanalyse für zentrale Eingangsgrößen
Bei der Sensitivitätsanalyse werden einzelne Eingangsgrößen isoliert verändert. Das Ziel ist klar: Es soll gezeigt werden, welche Größen den Kapitalwert am stärksten beeinflussen. Anders gesagt: Welche Annahme hat den größten Hebel?
Der Bericht sollte diese Ergebnisse grafisch darstellen und mit einem klaren Handlungsvorschlag enden, der auf den Resultaten aus Szenario- und Sensitivitätsanalyse basiert. Valeri Online kann die Auswertung und die Berichtserstellung dabei vereinfachen.
4. Berichtsaufbau, Anlagen und abschließende Prüfung
Nach Cashflows, Szenarien und Sensitivität geht es an den prüffähigen Bericht. Hier werden die zuvor berechneten Kennzahlen, Szenarien und Annahmen so zusammengeführt, dass sie sich sauber prüfen lassen.
Empfohlener Berichtsaufbau nach DIN EN 17463
Ein VALERI-Bericht folgt einer festen Reihenfolge. Das hilft Prüfern, die gesuchten Informationen ohne Umwege zu finden.
| Abschnitt | Pflichtinhalte |
|---|---|
| Deckblatt & Kurzfassung | Projektname, Auditorendaten, Auditzeitraum, Kurzfassung |
| Projektdaten & Systemgrenzen | Beschreibung der Maßnahme, Betrachtungszeitraum mit Begründung, Systemgrenzen |
| Annahmen | Kalkulationszinssatz (WACC), Eigen-/Fremdkapitalquote, Preissteigerungsfaktoren für Energie und allgemeine Kosten, AfA-Nutzungsdauer, Risikoparameter |
| Cashflows & Kennzahlen | Investitionskosten, Betriebs- und Wartungskosten, Einsparungen, jährliche Cashflow-Struktur, Kapitalwert, Amortisationszeit |
| Szenarien & Sensitivität | Base Case, Best Case und Worst Case; Sensitivitätsanalyse einzelner unsicherer Größen |
| Nicht-monetäre Effekte | Kurze qualitative Zusammenfassung der wichtigsten Zusatznutzen |
| Anlagen | Vollständige Berechnungstabellen, Belege und Nachweise, Fotos, technische Datenblätter |
Valeri Online unterstützt die DIN-EN-17463-konforme Berechnung und erzeugt einen vollständigen Bericht mit Diagrammen und Projektdokumentation.
Anlagen und Prüfnachweise
Die Bausteine aus der Tabelle brauchen passende Nachweise in den Anlagen. Ziel ist einfach: Jeder Rechenschritt soll sich ohne Rückfragen nachvollziehen lassen.
Dazu gehören die vollständigen Cashflow-Tabellen für alle Szenarien, Energierechnungen der letzten 12 Monate, Lastprofile, technische Datenblätter der betroffenen Anlagen, Fotos des Ist-Zustands sowie dokumentierte Preisannahmen für Energie und Inflation. Alle Unterlagen sollten klar beschriftet und im Bericht sauber referenziert sein.
Fazit: Mindestinhalte eines verlässlichen VALERI-Berichts
Am Ende zählt nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Art, wie es dokumentiert ist. Ein prüffähiger VALERI-Bericht steht und fällt mit klaren Systemgrenzen, sauber belegten Annahmen und nachvollziehbaren Anlagen.
Im Hauptdokument müssen Kapitalwert und Amortisationszeit für den Base Case klar ausgewiesen sein. Dazu kommen die Ergebnisse von Best Case, Worst Case und Sensitivitätsanalyse. Der Handlungsvorschlag orientiert sich meist am Worst Case: Ist der Kapitalwert dort positiv, spricht das für die Investition.
Vor der Abgabe lohnt sich ein letzter Check: Sind die Eingangsgrößen in allen Szenarien konsistent? Und ist der Bericht sauber im DIN-A4-Format aufgebaut?
FAQs
Wann ist ein VALERI-Bericht prüffähig?
Ein VALERI-Bericht ist prüffähig, wenn er die Anforderungen der DIN EN 17463 vollständig erfüllt und die Berechnung so dokumentiert ist, dass sie nachvollziehbar und leicht reproduzierbar bleibt.
Dazu zählen vor allem:
- Projektangaben
- Annahmen
- Cashflows
- Kapitalwert
- Amortisation
- Szenario- und Sensitivitätsanalysen
Für Behörden oder Energieaudits reicht das allein oft nicht aus. In solchen Fällen müssen die Wirtschaftlichkeitsberechnung und die Umsetzung der Maßnahme zusätzlich durch eine prüfungsbefugte Stelle bestätigt sein.
Welche Unterlagen sollte ich beilegen?
Für einen prüffähigen VALERI-Bericht nach DIN EN 17463 sollten alle projektbezogenen Unterlagen und Nachweise beigelegt werden, die die Kalkulation nachvollziehbar und plausibel machen.
Dazu zählen vor allem Projektdaten, Belege zu Investitions- und Wartungskosten, Angaben zu den erwarteten Energie- und Kosteneinsparungen sowie – falls nötig – Fotos oder eine Anlagendokumentation. Auch die getroffenen Annahmen sollten klar begründet und für Dritte gut nachverfolgbar sein.
Wie wähle ich realistische Annahmen?
Wichtig ist eine transparente Dokumentation aller Methoden und Rohdaten im Auditbericht. So bleiben die getroffenen Annahmen für Stakeholder und das BAFA nachvollziehbar.
Erfasst werden sollten alle Nutzen- und Lastenfaktoren. Wenn möglich, sind sie zu quantifizieren. Effekte, die sich nicht in Geld ausdrücken lassen, sollten qualitativ beschrieben werden.
Für die Kalkulation helfen AfA-Tabellen bei der Einordnung der Laufzeit. Dazu kommen Wachstumsfaktoren für Energiepreise und allgemeine Preissteigerungen in verschiedenen Szenarien.